Kinder unterschätzen die Feuergefahr / Brände durch offenes Feuer, Überhitzung oder elektrotechnische Defekte / Rauchmel-der gehören ins Kinderzimmer / IFS unterstützt ZDF-Bericht
Kiel, im Oktober 2011. Rund 175.000 Mal im Jahr rückt die Feuerwehr in Deutschland aus, um Brände zu bekämpfen und Menschen zu retten. Alle drei Minuten, Tag für Tag. Kinder unter 14 Jahren verursachen diese Einsätze dabei relativ häufig. Natürlich nicht mit Absicht. Kinder probieren viel aus, um die Welt zu entdecken und zu begreifen. "Das ist auch gut so. Doch Eltern haben eine besondere Verantwortung, denn Gefahren werden oft unterschätzt oder gar nicht als solche wahrgenommen", sagt Dr. Hans-Hermann Drews, Standortleiter des Kieler Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS). Dazu gehört leider auch das heimliche Zündeln und Experimentieren mit dem Feuer. Drews: "Gerade deshalb ist es wichtig, dass Zündhölzer, Feuerzeuge und sowieso alle Quellen für offenes Feuer sicher und außerhalb der Reichweite der Kinder aufbewahrt werden". Auch sollen Kinder nicht mit offenem Feuer wie brennenden Kerzen unbeaufsichtigt gelassen werden.
Darüber hinaus lauern in Kinderzimmern immer mehr Gefahren, weil sich viele Gegenstände auf engem Raum befinden, die sich entzünden können. Durch Defekte oder unsachgemäße Handhabung. Neben Plastik-Spielzeug, dem Bett und der oft leicht entflammbaren Matratze sind zunehmend Fernseher, PCs und Elektrotechnik in den Räumen vorhanden. "Das erhöht das Gefahrenpotenzial und die Ausbreitungsmöglichkeiten und -geschwindigkeit. Innerhalb weniger Minuten kann es nach einem Brandausbruch zum Vollbrand des Kinderzimmers kommen", so Drews. Ein weiterer Punkt ist, dass Kinder häufig falsch reagieren und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Aus Angst verstecken sich Kinder oft, statt andere zu alarmieren. Dann sind sie lebensgefährlichen Rauchgasen ausgesetzt.
Zündeln im Kinderzimmer
Jährlich ermittelt das IFS bei mehr als 1.000 Bränden die Ursachen und sammelt die Ergebnisse in einer Datenbank. Diese lässt einige Aufschlüsse zu. Insgesamt ist Elektrizität mit 35 Prozent der häufigste Brandverursacher, offenes Feuer spielt mit drei Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Anders sieht das bei Bränden aus, die in Kinderzimmern entstehen. Hier wird die Hälfte der Brände durch offenes Feuer ausgelöst. Weitere dominierende Brandursachen sind elektrotechnische Defekte (27 Prozent) und Überhitzung von Leuchten oder anderen Hitzequellen und in der Folge Entzündung von brennbaren Stoffen (17 Prozent).
Eine defekte Lichterkette reichte schon, um das Haus von Marcel und seiner Familie zu zerstören. Der achtjährige Junge war jüngst einer der Hauptdarsteller des Magazins "pur+" aus dem Kinder- und Jugendprogramm des ZDF. Eine Ehre, auf die er gerne verzichtet hätte. Froh ist die Familie nur, dass dem Jungen nichts passiert ist, denn er war alleine zu Hause, als das Feuer ausbrach. Das Feuer hat für einige Unannehmlichkeiten gesorgt. Monatelange Notunterkunft und Wohnungssuche sowie Wiederbeschaffung vieler Gebrauchsgegenstände waren die Folge. Die Versicherung konnte finanziellen Schaden abmildern, doch liebgewonnene Erinnerungsstücke und die leider umgekommenen Meerschweinchen sind für immer verloren. Die Sendung "Hilfe, es brennt" zeigte mit Unterstützung des IFS, wo die wesentlichen Brandgefahren im Haushalt liegen.
Wer sich die Tipps mit dem IFS-Gutachter und Brandspezialisten Dr. Andreas Pfeiffer ansehen möchte, der findet den ZDF-Beitrag und einen Link zur Zeitschrift Schadenprisma mit einem ausführlicheren Artikel über www.ifs-ev.org.
10 Tipps gegen feurige Überraschungen:
Prävention im Kinderzimmer
Die Fachleute des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer empfehlen:
1.Kinder über die Gefahren und Reaktionsmöglichkeiten aufklären.
2.Kinderzimmer sollten von den Eltern sorgfältig und aufmerksam auf Brandgefahren überprüft werden.
3.Ganz wichtig: In jedes Kinderzimmer gehört ein Rauchmelder (natürlich ins ganze Haus).
4.Kindern keinen Zugriff auf Feuerzeuge, Zündhölzer oder Ähnliches geben.
5.Im Kinderzimmer sollten sich niemals Kerzen, Öllampen oder ähnliche Quellen für offene Flammen befinden.
6.Bei der Einrichtung auf schwer oder nicht entflammbares Material achten (z. B. bei der Matratze).
7.Möglichst kein oder wenig Plastik/Plastikspielzeug (giftige Dämpfe, gut entflammbar).
8.So wenig elektrische Geräte wie möglich, Stecker ziehen bei Nichtgebrauch einüben.
9.Mehrfachstecker nicht überlasten.
10.Ein funktionierender und gewarteter Feuerlöscher und eine Löschdecke sollten schnell zur Hand sein.
Ursachenforschung, Beratung sowie Schulungsmaßnahmen zu den Themen Feuer, Technik und Umwelt sind die Kernaufgaben des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer. Die gewonnenen Erkenntnisse aus tausenden von Gutachten werden in der Beratung zu Sanierungen und im Engagement für Schadenverhütungsmaßnahmen weitergegeben und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Das Institut hat inzwischen eine 125 Jahre alte Tradition und ist neben dem Hauptsitz in Kiel auch in Berlin, Hannover, Düsseldorf, Wiesbaden, Stuttgart und München vertreten. Die Wurzeln des Instituts gehen in das Jahr 1884 zurück, als die Schleswig-Holsteinische Brandkasse in Kiel eine damals einzigartige Brandverhütungsabteilung gründete. 1952 entstand hieraus schließlich das Kieler Laboratorium für Brandschutztechnik und Brandermittlung, das sich durch seine Forschungsergebnisse bald über die Region hinaus einen Namen machte. Aus diesem Labor ging 1976 das IFS hervor.
IFS Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e. V.
Dr. Rolf Voigtländer
Preetzer Straße 75
24143 Kiel
0431 - 7 75 78 - 0
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