Provider sollten Netze und Dienste öffnen – Mobilfunker blockieren den Markt
Hannover – Die erfolgsverwöhnte Telekommunikationsbranche kämpft mit stagnierenden Umsätzen. . Kein Wunder, so Bitkom Präsident August-Wilhelm Scheer: Wer seine Produkte verschenke, darf sich nicht wundern, wenn die Margen ausbleiben. Diese Aussage relativierte Omar Khorshed bei einem Mobile Business-Expertengespräch auf der Cebit: „Die Player im Telekommunikationsmarkt lernen dazu – es geht nicht mehr um gigantische Projekte. Künftig wird in kleineren Schritten gedacht werden müssen.“ Der Vorstandsvorsitzende des Outsourcing-Dienstleisters acoreus http://www.acoreus.de verspricht sich Innovationen, wenn viele Versuchsballons starten und sich dann aus einzelnen Ansätzen Erfolge einstellen. Die Möglichkeiten seien enorm, auch wenn man sie in Nischen suchen muss.
„Das Thema Kostenreduzierung selbst treibt die Unternehmen nicht mehr in letzter Konsequenz“, urteilt Ralf Sürtenich. Der Ericsson-Manager http://www.ericsson.com/de sieht generell die Konvergenz als die treibende Kraft: „Applikationen müssen das Business vorantreiben und das geht in vielen Fällen mit konvergierenden Anwendungen am besten. Auch wenn man ganze Geschäftsabläufe umbauen muss, eröffnen sich hier Wachstumsfelder. Denn mit einem Endgerät und einer Kommunikationsplattform zeichnet sich eine günstig zu betreibende Infrastruktur ab und da werden Unternehmen dann auch investieren.“ Aus Sicht eines unabhängigen Beraters bleibt bei derartigen Applikationen noch einiges zu tun. Bernhard Steimel, vom Beratungshaus Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net, sieht die Vision „Unified Communications“ noch nicht auf breiter Front beim Anwender angekommen. „All das dauert länger als gedacht. Ein mittelständischer Anwender muss geschult werden – vieles erinnert an das Beispiel DSL. Erst wenn der Anwender einen klaren Nutzen erkennen kann, wird investiert.“
Damit Innovationen leichter erfolgen können, braucht es eine möglichst offene Plattform –sind sich die Experten einig. Dann können die Innovationen auf der Plattform aufsetzen und schneller ihre Akzeptanz am Markt beweisen. „Eine wesentliche Rolle fällt den Systemintegratoren zu – sie können die mittelständischen Anwenderunternehmen besser abholen, da sie deren Sprache sprechen“, gibt sich Sürtenich überzeugt. „Vor allen Dingen die Rolle der Mobilfunk-Netzbetreiber muss anders werden, sie müssen ihre Netze und Basisdienste öffnen, so dass sich Innovatoren hier einklinken können“, fordert Khorshed. Und er hat auch gleich ein Negativbeispiel in petto: „Das Mautsystem in Deutschland hat gezeigt, dass der zentralistische Ansatz nicht der beste ist. Hier wurde die Möglichkeit verspielt, dass sich ein Netz von Dienstleistern etabliert, bei denen sich ein jeder auf sein Spezialgebiet konzentriert. Doch letztlich kommt nun alles aus einer Hand – und die Politik jubiliert.“
Ein Modell, wie es Google im Internet vormacht, wünscht sich Andreas Dippelhofer auch bei den Netzprovidern. Der acoreus-Manager sieht zumindest bei E-Plus schon ein Umdenken, das in die richtige Richtung deutet: „Ein Plattform-Betreiber wie Google muss die Möglichkeit bieten, dass sich Lösungsanbieter auf dieser Plattform einklinken können.“ Auch wenn es sich um proprietäre Schnittstellen handle, überwiegt der Vorteil, den der Plattformgedanke auch für den Mobilfunk bietet.
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