Die deutschen Unternehmer müssen ihr Image aufpolieren
Bonn/Berlin – Der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung http://www.faz.net machte am 18. Februar mit zwei großen Meldungen auf. „Die Gehälter von Vorständen steigen deutlich“ lautete die eine; „Eine Welle von Steuerrazzien rollt an“ die andere. Für die in ihrem Ansehen angeschlagene deutsche Wirtschaftselite kommen diese Berichte zur Unzeit. Schon greifen Gewerkschafts-Agitatoren wie der Verdi-Chef http://www.verdi.de Frank Bsirske zur ganz großen ideologischen Keule und fordern, Managergehälter über zwei Millionen Euro im Jahr sollten mit einem Steuersatz von 80 Prozent belegt werden.
„Selbstverständlich ist eine solche wohlfeile Forderung blanker Populismus. Bsirske weiß sehr gut, wie unrealistisch ein solches Vorhaben ist. Und er weiß auch, dass wir in Deutschland, sollten solche Ideen in die Tat umgesetzt werden, keine leistungsfähige Managerklasse mehr hätten. Denn dann würden alle, die eine Gelegenheit dazu haben, ins Ausland gehen. Nur die mittelmäßigen oder ganz besonders idealistischen Wirtschaftslenker blieben hier“, kommentiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de, die Einlassungen des Gewerkschaftsfunktionärs.
Bisher seien kritische Berichte über hohe Vergütungen unserer Führungskräfte und deren vermeintliche Gier pauschal als Neiddebatte abgetan worden. Das sei jetzt nicht mehr möglich, so Nadolski. Die Reaktionen von Industriepräsident Jürgen Thumann, DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zeigten: „Wir haben verstanden. Hier – insbesondere im Fall des Post-Chefs Klaus Zumwinkel – braut sich etwas zusammen, was für die deutsche Wirtschaft äußerst schädlich sein kann.“ Im Interesse des Standortes und des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft „sollten wir hoffen, dass Zumwinkel der einzige wirklich prominente Wirtschaftslenker ist, der ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten ist“, sagte der Harvey Nash-Chef.
„Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht. Letztlich haben die Berichte über die steigenden Gehälter und den Verdacht auf Steuerhinterziehung wenig miteinander gemein. Denn bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Grundgehälter der Top-Manager weitestgehend gleich geblieben sind. Der deutliche Zuwachs ist in erster Linie auf die Erhöhung der variablen leistungsbezogenen Vergütungsbestandteile zurückzuführen. Dies heißt: Viele deutsche Manager haben ihren Job gut gemacht“, so Nadolski.
Allerdings habe auch der FAZ-Redakteur Gerald Braunberger recht: „Die Erfolgsabhängigkeit der Managergehälter darf aber keine Einbahnstraße sein. Vorstände, die ihr Unternehmen schlecht führen, dürfen nicht auch noch mit hohen Abfindungen und Pensionen auf den Golfplatz entlassen werden.“ Vor einem Generalverdacht gegen alle Unternehmer warnte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmw.de, Mario Ohoven: „Mittelständische Unternehmer engagieren sich am Standort Deutschland, schaffen Arbeitsplätze und entrichten ihre Steuern im eigenen Land." Die Debatte über das Fehlverhalten einiger führender Köpfe der deutschen Wirtschaft drohe das Unternehmerbild insgesamt zu beschädigen, so der Mittelstandspräsident. Der BVMW als führender deutscher Mittelstandsverband gehe in puncto Recht und Moral mit gutem Beispiel voran: „Wir bekennen uns mit unserer Mitgliedschaft im Verband zum Prinzip des ehrbaren Kaufmanns", betonte Ohoven. Im Gegensatz zu manchem hoch bezahlten Manager halte sich der Mittelstand an Recht und Gesetz.
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