„Leistung muss sich wieder lohnen“ ist nur eine Politikerfloskel
Bonn/Berlin – „Leistung muss sich wieder lohnen“ – dieser Slogan erfreut sich bei Politikern (fast) aller Parteien großer Beliebtheit. Auch im neuen Grundsatzprogramm der CDU http://www.cdu.de taucht diese Forderung auf: „Es entspricht dem Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit, dass man, wenn man arbeitet, mehr hat, als wenn man nicht arbeitet.“ Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein, denn ohne finanzielle Anreize entsteht in der Regel auch kein Arbeitswille. „Lohnt es sich noch zu arbeiten?“, fragt Manfred Schäfers in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Und er kommt zu interessanten Ergebnissen. Für manche Arbeitnehmer lohnt es sich, morgens aus dem Bett zu steigen. Doch andere könnten genauso gut zu Hause bleiben.
Schäfers verweist auf Daten des Statistischen Bundesamtes http://www.destatis.de, um zu prüfen, ob die Realität in Deutschland dem Polit-Slogan von der Leistungsgerechtigkeit stand hält. Zu diesem Zweck wurde das Einkommen von Durchschnittsverdienern mit den Bezügen von Hartz-IV-Empfängern verglichen. Ein durchschnittlicher Arbeiter, so Schäfers, kam im vergangenen Jahr auf 2.582 Euro im Monat, ein Angestellter auf 3.510 Euro – alles brutto, das heißt also vor Steuern und Sozialabgaben. Das Resultat der Berechnungen des Bundes der Steuerzahler http://www.steuerzahler.de dazu laute: „Je höher der Lohn und je kleiner die Familie, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Arbeit am Ende auch deutlich mehr Geld in der Tasche hat als ohne.“
Ein Beispiel: Ein Angestellter mit einem Bruttogehalt von 3.510 Euro bekomme dankt Ehegattensplitting und Kindergeld netto 2.833,62 Euro heraus. Das seien immerhin 908,62 Euro mehr, als wenn er Hartz IV bekäme. Wie eng die Sozialleistungen jedoch an ganz normale Erwerbseinkommen rücken könnten, zeige sich am Verdienst im Gastgewerbe. Ein Angestellter mit einer nicht arbeitenden Ehefrau und zwei Kindern kommt dort auf 1.593,45 Euro im Monat. „Ihm bleiben damit gerade einmal 1,45 Euro mehr, als die gleich große, rundum staatlich versorgte Familie zur Verfügung hat“, resümiert der FAZ-Redakteur.
Nicht nur der Bund der Steuerzahler sieht damit jeden Leistungsanreiz erstickt. Auch Experten aus der Wirtschaft drängen auf Reformen des Steuersystems. „Man kann nicht sagen, dass die staatlichen Transfereinkommen in Deutschland generell zu hoch seien. Denn von irgendetwas müssen die Leute ja leben, insbesondere auch dann, wenn es sich um Familien mit Kindern handelt. Was faul ist im Staate Deutschland, das ist die Abzocke der Normalverdiener. Niedrige und mittlere Einkommen werden bei uns vom Staat enorm belastet. Dass muss sich ganz schnell ändern, sonst ist der Satz, dass sich Leistung lohnen muss, nichts als frommes Parteitagsgerede“, sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de.
Statt sich der wirklichen Probleme in diesem Land zu widmen, kritisierten die Politiker unisono angeblich raffgierige Manager. „Ich will nicht bestreiten, dass es in dieser Zunft den einen oder anderen Extremfall gibt. Aktuell wird ja viel über den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking diskutiert. Es mag sein, dass er viel oder auch zu viel verdient. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass er sein Unternehmen sehr erfolgreich führt. 2007 bekommen die Porsche-Mitarbeiter zu ihren 13,7 Monatsgehältern einen Extrabonus von 5.200 Euro. Dieses Beispiel illustriert sehr schön, dass Menschen auf Anreize reagieren. Sie stimulieren die Leute zu mehr Leistung. Dieser Grundsatz aus der Wirtschaft sollte auch endlich Eingang in die Politik finden. Daher muss die Abgabenlast in diesem Jahr runter. Wenn dies geschieht, dann wird sich auch kein Mensch mehr über deftige Diätenerhöhungen der Politiker aufregen“, so Nadolski.
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