Ulrike Ackermann über die Bedrohung durch den radikalen Islam
Bonn/Berlin – Die Menschen in der westlichen Welt haben sich an ihre Freiheit gewöhnt. Doch nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit dem Islam zeigt, wie fragil unsere Freiheit ist. Die Publizistin Ulrike Ackermann http://www.ulrike-ackermann.de beschäftigt sich in dem von ihr herausgegebenen Sammelband „Welche Freiheit. Plädoyer für eine offene Gesellschaft“ mit dem Karikaturenstreit. Hierbei handelt es sich um ein Lehrstück über Unterwürfigkeit in Kreisen, wo man dies nicht vermutet hätte. „In der Folge des Streits um die Mohamed-Karikaturen meldeten sich im Frühjahr 2006 norwegische Feministinnen mit der Aufforderung an ihre Geschlechtsgenossinnen zu Wort, sich in Zukunft züchtiger zu kleiden – aus Rücksicht auf religiöse Gefühle der muslimischen Bürger im freien Norden. Die Aufforderung wollte keineswegs als Posse verstanden werden. Diese Anregung zur Selbstzensur, nämlich sich keusch zu geben, war todernst gemeint“, berichtet Ackermann. Vor staunendem Erschrecken bleibt einem beim Lesen dieser Sätze der Mund offen stehen.
Nun mag man einwenden, dass von ideologischen Feministinnen sowieso nichts Gescheites zu erwarten ist. Aber es muss bedenklich stimmen, dass auch bei den Zeitungsredaktionen der europäischen Nachbarländer Dänemarks kaum Zeichen der Solidarität und der Verteidigung der Pressefreiheit gesendet wurden. Eine rühmliche Ausnahme war sicher das mutige Auftreten des damaligen Welt-Chefredakteurs und heutigen Chefredakteurs der Schweizer Weltwoche http://www.weltwoche.ch, Roger Köppel. In der Wirtschaft war der nötige Mut oder besser gesagt Anstand nur gering ausgeprägt: „Europäische Wirtschaftsunternehmen gingen nach angedrohten Einfuhrsperren für europäische Güter in die Defensive und die Firma Nestlé war emsig darum bemüht, klarzustellen, kein dänisches Unternehmen zu sein“, so Ackermann. Und der Chefredakteur von France Soir http://www.francesoir.fr verlor seinen Posten, weil er die Karikaturen nachdruckte. Gepriesen sei die Selbstzensur!
Ackermann weist zurecht darauf hin, dass es insbesondere viele Stimmen auf europäischer Seite gab, die in kulturrelativistischer Manier Verständnis für die angeblich verletzten Gefühle der Muslime aufbrachten. Dass mittlerweile ein neuer Antisemitismus in den islamischen Ländern entstanden ist, störte dabei wenig. Von den verletzten Gefühlen der Juden spricht keiner; die Israelis würden sich allerdings darüber freuen, wenn nur ihre Gefühle verletzt und sie nicht täglich an Leib und Leben bedroht würden. Die Appeasement-Haltung ist inzwischen zum Gemeingut geworden. Ackermann zufolge verschließen wir unsere Augen vor den „archaischen, patriarchalischen Strukturen der muslimischen Migrantenfamilien, in denen eine repressive Macho-Kultur konserviert wird, der viele muslimische Mädchen und Frauen teils unter Lebensgefahr zu entrinnen suchen“.
Der Furor des radikalen Islam speist sich aus einem Gefühl der Unterlegenheit, das sich auch mit Daten und Fakten untermauern lässt: „Die arabischen (!) Autoren des von der UNO herausgegebenen Arab Human Development Report (2002-2004) kamen zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Bücher, die in der arabischen Welt gedruckt werden, bei 0,8 Prozent der Weltproduktion liegt. Die Zahl der Übersetzungen aus anderen Sprachen in den letzten 1.000 Jahren entspricht der Zahl der in Spanien übersetzten Bücher eines Jahres. Während die Bevölkerung aller arabischen Staaten rasant gewachsen ist, verkümmerten zur gleichen Zeit ihre Wirtschaft, Forschung und Infrastruktur.“ Der Islam, so Ackermann, habe seine Unschuld längst verloren. Die Anschläge von New York, Madrid, Beslan, Amsterdam und immer wieder Israel zählten zu seiner Geschichte. Es gebe keine kollektive Schuld der Muslime, wohl aber eine gemeinsame Verantwortung. Es besteht jedoch wenig Hoffnung, dass die Botschaft dieses ausgezeichneten Aufsatzes ankommt: und das gilt für die muslimische Seite wie für die Relativierer und Kuscher im Westen.
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