Nur der Fachkräftemangel macht Metallbranche Sorgen
Bonn/Berlin – In der deutschen Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist das Jahr 2008 mit überraschend starken Zuwächsen bei Beschäftigung, Produktion und Auftragseingang gestartet. Im Januar schufen die Unternehmen der Branche 27.000 neue Arbeitsplätze. Damit kletterten die Beschäftigungszahlen in diesem Wirtschaftszweig auf insgesamt 3.576.000. Das sind in absoluten Zahlen 130.000 Beschäftigte oder 3,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist, meldet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall http://www.gesamtmetall.de. Einen so starken Jobaufbau habe es in der deutschen M+E-Industrie zuletzt in der ersten Hälfte der 60er Jahre gegeben. Die Übernahme von Zeitarbeitnehmern in ein festes Arbeitsverhältnis in den Kundenunternehmen dürfte bei diesem Beschäftigungsboom eine nicht unerhebliche Rolle spielen, vermuten die Arbeitgeber.
Anfang 2008 habe die Branche ein Nachfrageplus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet. Die Auslandsnachfrage sei mit einem Plus von 16,2 Prozent mehr als doppelt so stark wie die Binnennachfrage (plus 7,2 Prozent) gewachsen. Auch die Produktion habe binnen Jahresfrist 10,5 Prozent zugelegt. „Die Unternehmen gehen aufgrund der starken Dynamik offensichtlich davon aus, dass sie auch in den nächsten Monaten zusätzliche Mitarbeiter für die Produktion benötigen. Von einem mittelfristigen Optimismus zeugt die Ausbildungslage. So wurden in den M+E-Berufen 2007 mehr als 75.000 neue Ausbildungsplätze geschaffen – ein Zuwachs von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zugleich Ausbildungsrekord seit der Wiedervereinigung“, so Gesamtmetall.
Der Jobboom in der Metallbranche bestätigt einen Trend, der sich schon seit längerem abzeichnet. Über Jahre galt als quasi als eine Art Naturgesetz, dass der Anteil des verarbeitenden Gewerbes schrumpft, während der Anteil der Dienstleistungen steigt. Der Industriestandort Deutschland galt als Auslaufmodell aus den seligen Zeiten Otto von Bismarcks, Konrad Adenauers oder vielleicht noch Helmut Kohls. Experten sehen dies mittlerweile differenzierter. „Wir erleben gerade die Renaissance der Industrie in Deutschland“, sagt Volker Treier, Chefvolkswirt beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) http://www.dihk.de. Besonders kraftvoll expandiere die Industrie in den neuen Bundesländern, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel http://www.spiegel.de. Seit 2003 wachse sie dort doppelt so schnell wie im Westen. Über elf Prozent der Industrieproduktion kommt aus Ostdeutschland.
Im Interview mit Perspektiven - Karriere im Handelsblatt http://www.karriere.de formulierte dies Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender der Heildeberger Druckmaschinen AG http://www.heidelberg.com jüngst so: „Deutschland wird es nur schaffen, wenn wir nicht in die reine englische oder reine amerikanische Mentalität verfallen. Konsum rettet nicht alles, sondern wir müssen weiterhin Erzeugerstaat sein. Wenn wir nicht mehr Erzeugerstaat sind, wird es schwierig, unseren Wohlstand in Deutschland zu halten.“ Wenn nicht wohlstandsgefährdend, so doch zumindest auftragsgefährdend wirkt sich mittlerweile der Fachkräftemangel in der Branche aus. Nach Angaben von Gesamtmetall musste im Januar 2008 fast jedes achte Unternehmen der M+E-Branche deshalb Störungen im Produktionsablauf verzeichnen. „Für die Arbeitnehmer in der Branche, die besonders heiß begehrt sind, hat dieser Mangel jedoch auch seine guten Seiten. Sie dürfen mit einem ordentlichen Anstieg ihrer Bruttobezüge rechnen“, so der Kölner Personal- und Vergütungsexperte Marc Emde von der KCP Personaldienstleistungsgesellschaft http://www.kcp-executives.de.
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