Hamburg/Neuss/Potsdam, www.ne-na.de – Vor fünf Jahren wäre es knapp 3.000 Beschäftigten von Motorola Deutschland http://www.motorola.com/de an den Kragen gegangen: 750 Menschen wurden entlassen und die Produktion komplett nach Asien verlagert. Der Standort in Flensburg stand auf der Kippe, seine Schließung hätte in der strukturschwachen Region schlimme Folgen gehabt. „Doch Motorola kriegte die Kurve: Der US-Konzernzentrale gelang mit dem ‚Razr’, dem bis dahin flachsten Handy der Welt, ein großer Wurf. Und das Werk Flensburg erfand sich neue“, berichtet das Hamburger Magazin brandeins http://www.brandeins.de in der aktuellen Ausgabe. Aus der einstigen Fabrikationsstätte, der Wiege des ersten Mobiltelefons nach europäischem GSM-Standard und des ersten UMTS-Handys, wurde ein Logistik- und Dienstleistungsstandort. In Flensburg werden mittlerweile vor allem in Asien hergestellte Mobiltelefone für Kunden in Europa, Afrika und den Nahen Osten „konfektioniert“: „Dass heißt, je nach Provider und Landessprache, mit Software bespielt, gegebenenfalls mit Prepaid-Karten versehen, verpackt und ausgeliefert. Außerdem gibt es Prüflabore, die die Einhaltung der technischen Standards kontrollieren. Und eine Prototypenfertigung, bei der man schaut, ob das, was in den Motorola-Entwicklungszentren anderswo erdacht wurde, serientauglich ist“, so brandeins. Das von der Zeitschrift „Produktion“ als „Fabrik des Jahres“ ausgezeichnete Werk arbeite fix und effizient 24 Stunden täglich für seine Kunden. Mit einer Sondergenehmigung des Landes Schleswig-Holstein sogar am Wochenende.
An der Neuorientierung führte nach Ansicht von Motorola-Geschäftsführer Christoph Hollemann kein Weg vorbei. Zwar liege der Lohnkostenanteil in der kapitalintensiven Handybranche bei lediglich fünf Prozent. Doch angesichts der chinesischen Löhne, die nur ein Zehntel der deutschen ausmachen, ergebe sich trotzdem ein nicht zu ignorierender Wettbewerbsvorteil – der auch durch eine noch so effiziente Fertigung nicht auszugleichen sei. Für den Dienstleistungsökonomie-Experten Michael Müller, Geschäftsführer der a&o-Gruppe http://www.ao-services.de in Neuss und Potsdam, belege der Motorola-Weg die Notwendigkeit für ein radikales Umdenken der klassischen Industrienationen.
„Auch am Beispiel des Landmaschinenherstellers John Deere kann man das sehr gut nachvollziehen. Bis in die 1990er Jahre war das Unternehmen auf den Maschinenverkauf fokussiert. Damit wäre Deere allerdings nicht zukunftsfähig geblieben. Der Landmaschinenhersteller erkannte frühzeitig die Wachstumspotenziale auf dem gesamten Green Market und kaufte mehrere Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftssegment. Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Produktzentrierung können westliche Unternehmen keine ausreichenden Gewinnmargen mehr erwirtschaften. Wer sich hier auf den Lorbeeren der Industrialisierung ausruht, wird vom Markt gefegt“, erklärt Müller.
Die Erweiterung der Dienstleistungsangebote rund um das Produkt seien überlebenswichtig, um gegen die Niedriglohnländer konkurrieren zu können. „Die Servicekonzepte darf man nicht reduzieren auf das Haare schneiden. So reden vielleicht noch Funktionäre des BDI, die die Stärke einer Firma noch über die Größe von Fabrikhallen definieren. Produkte bleiben wichtig, entscheidender ist aber die Erweiterung der Wertschöpfungskette durch smarte Dienstleistungen. Nur so können wir den Globalisierungsdruck bewältigen“, betont IT-Dienstleister Müller.
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