Bonn – Bildschirm oder Papier? Online oder Print? Diese Frage beschäftigt Medienmacher nicht erst sei gestern. Die Verlage scheinen sich (vorerst) entschieden zu haben. Die Trumpfkarte, auf die derzeit gesetzt wird, heißt Online! In die Internet-Auftritte der Zeitungen fließt derzeit eine Menge Geld. Der Grund ist die Angst, im World Wide Web die Zukunft zu verpassen und bei den steigenden Mehreinnahmen im Netz leer auszugehen, schreibt das Nachrichtenmagazin Der Spiegel http://www.spiegel.de. Die große Gefahr jedoch bestünde darin, dass der Journalismus darunter leide. Dies meint auch die Bonner Kommunikationsexpertin Sabine Sohn, Geschäftsführerin der Agentur nic-pr http://www.nic-pr.de.
Beispiel Axel Springer. Für den Internet-Auftritt der Welt http://www.welt.de wurde für Online- und Print-Redaktion sogar ein gemeinsamer Newsroom geschaffen, von dem beide Produkte bedient werden. Wie der Spiegel berichtet, interessiert sich der Springer-Verlag derzeit für fast jede Online-Firma. „Seit Konzernchef Döpfner die Digitalisierung zur obersten Verlagsmaxime ausgerufen hat, bewerten seine Beteiligungsexperten 300 bis 400 Unternehmen im Jahr“, so das Hamburger Blatt. Sohn warnt jedoch vor übertriebenem Arrangement im Online-Sektor. „Die Verlage dürfen das Kerngeschäft nicht aus den Augen verlieren. Zwar fährt der Zug derzeit mit Vollgas auf der Internet-Schiene, doch das muss auch als Trend gesehen werden, der sicher irgendwann wieder abebbt“, sagt sie. Beispiel Holtzbrinck. Im vergangenen Jahr kaufte der Verlag, begleitet von einem starken Medienecho, die Studentenkontaktbörse StudiVZ http://www.studivz.net für rund 85 Millionen Euro. „Umsatz? So gut wie keiner“, schreibt der Spiegel. Nicht ganz imagefördernd war sicherlich auch die Holtzbrinck-Idee, das Mietportal Erento zu erwerben. Dort kann der Kunde sowohl Wohnmobile als auch Stripperinnen mieten. „Für das Haus, das in seiner Buchsparte Autoren wie Martin Walser und Thomas Mann verlegt, eine eher ungewöhnliche Aktion“, drückt sich der Spiegel gelinde aus.
Beispiel Ringier. Der Schweizer-Verlag, bei dessen deutschem Ableger unter anderem auch das Magazin Cicero erscheint, sorgte zuletzt mit einer Meldung für Aufsehen, dass das monatliche Wirtschaftswochenzeitung Cash Ende Juni vom Markt verschwinden soll. Neben der Zeitung gehören auch der Privat-TV-Sender Cash-TV sowie die Internetzeitung cash.ch http://www.cash.ch zum Konzern. Im September vergangenen Jahres warf der Verlag dann noch die tägliche Gratis-Version Cash daily auf den Markt. Ziel war, durch Kombinationsmöglichkeiten im Anzeigengeschäft die Inserate in der Wochenzeitung zu lancieren. Der Anzeigenrückgang konnte nicht aufgehalten werden, auch sei es nicht gelungen, durch die tägliche Gratis-Ausgabe neue Abonnenten für Cash zu gewinnen, teilte der Verlag mit. „Erneut wurde hier auf das Pferd Gratis-Zeitung gesetzt, es führte wieder nicht zum erhofften Erfolg. Die Investition in einen verbesserten Online-Auftritt, nicht hektische Zukäufe, wäre hier sinnvoller gewesen“, so Sabine Sohn. Den richtigen Punkt zu treffen sei ein schmaler Grat, so Sohn weiter. „Junge Menschen greifen immer weniger zum gedruckten Exemplar. Allerdings sind sie auch schnell genervt von zu starker Anbiederung an Werbung im Online-Geschäft.“
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