Flexible Personalreserve hilft im Kampf gegen den Fachkräftemangel
Berlin/Düsseldorf, 2. Februar 2010 - Sieben Jahre sind nun bald vergangen, seit der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010 auf den Weg brachte. „Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern müssen“, so Schröder im März 2003, als er für mehr „Mut zur Veränderung“ plädierte. „Hartz IV“ ist wohl das populärste Stichwort in diesem Kontext, die Modernisierung der Arbeitsverwaltung, die Ausweitung der Minijobs, Ich-AGs oder die Praxis-Gebühr beim Arztbesuch sind ebenso nachhaltig präsent, die Liberalisierung der Zeitarbeit steht gerade wieder einmal in der Kritik und wird einmal mehr zum Zankapfel.
Immerhin: Noch vor vier Jahren betrug die Zahl der Arbeitslosen in der Republik über fünf Millionen, im Januar des Agenda-Jahres vermeldet die Nürnberger Arbeitsagentur 3,6 Millionen. Doch „trotz des offensichtlichen Erfolges haben die Deutschen bis heute nicht ihren Frieden mit den Hartz-Reformen gemacht. Statt sich darüber zu freuen, dass zwei Millionen Menschen den Weg aus der Arbeitslosigkeit geschafft haben, lamentiert die Republik - Gewerkschaften und Sozialverbände an der Spitze - über Lohndumping, Hungerlöhne, Kinderarmut, Zeitarbeit und Minijobs“, konstatiert Stefan von Borstel im Leitartikel der Tageszeitung Die Welt http://www.welt.de. „Dabei wird säuberlich zwischen ‚guter Arbeit’ - der unbefristeten, gut bezahlten Vollzeitstelle - und ‚prekären’, schlecht bezahlten Jobs unterschieden. Beklagt wird die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Doch ohne diese Stellen am unteren Rand der Lohnskala gäbe es für viele Menschen gar keinen Job“, so seine Feststellung. Weil vermeintlich schwarze Schafe wie Schlecker versuchen, „Tarifverträge zu umgehen, kann nicht die gesamte Zeitarbeitsbranche verteufelt werden.“ Das sieht auch die zuständige Ministerin so, die sich kämpferisch gibt: „Ich werde nicht zulassen, dass das grundsätzlich gute und sinnvolle Modell der Zeitarbeit durch Missbrauch in Verruf gebracht wird", erklärte Ursula von der Leyen in Berlin. Gleichwohl würden die aktuellen Entwicklungen in der Branche unter die Lupe genommen.
Die Vorteile, die nicht nur im Bereich der schlechter bezahlten Arbeitsplätze durch die Zeit- und Leiharbeit zu verzeichnen sind, finden indes in der öffentlichen Diskussion weit weniger Beachtung. „Die Zeitarbeit hat viele Vorteile. Sie stellt eine flexible Personalreserve dar. Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, ohne großes Risiko einen potenziellen neuen Mitarbeiter in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob man ihn nicht dauerhaft an das eigene Unternehmen binden kann“, so die Überzeugung von Udo Nadolski, Geschäftsführer des auf Technical Recruitment und Outsourcing Services spezialisierten Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de in Düsseldorf. Der Sprung in die Festanstellung aus dem Zeitarbeitsmodell heraus sei daher keine Seltenheit. „Im Bereich von hochqualifizierten Leistungsträgern wie Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern ist die Zeitarbeit zudem ein wichtiges Instrument, um den Fachkräftemangel zu überwinden“, so der Personalexperte.
Mit mehr als 20 Pro¬zent hatte die Zeitarbeit bezeichnenderweise einen hohen Anteil am Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in den konjunkturell guten Jahren 2005 bis 2008, wie es der 11. Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) http://www.bmas.de/portal/41574/2010__01__13__aueg-bericht.html ausweist. Die Zahl der Zeit¬arbeitnehmer hat sich demnach seit 2004 auf 760.000 im Jahresdurchschnitt 2008 fast verdoppelt. Insbesondere mittlere und große Betriebe nutzten Mitte 2008 das Instrument Zeitarbeit deutlich häufiger und intensiver als noch vier Jahre zuvor. Mitte 2008 beschäftigte fast jeder vierte mittlere (23 Prozent) und fast jeder zweite Großbetrieb (48 Prozent) Zeitarbeitnehmer. Mitte 2004 waren es nur 17 bzw. 34 Prozent.
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