IGFM München
(NL/1095718839) "Verprügele einen Tibeter, und krieg ein Extralob" - schreien chinesische Studenten
Zwischen den tibetischen Studenten und den Han-Chinesen an einer Ingenieurschule in der Provinz Sichuan brach wegen der Politik der bevorzugten Behandlung für Minderheiten-Gruppen ein Streit aus, der zu einer unbekannten Zahl an Verletzten führte.
Zu dem Zwist kam es, nachdem Han-Studenten, die zahlenmäßig die Tibeter um das Zehnfache übertreffen, Pekings Politik der bevorzugten Behandlung von ethnischen Minderheiten in Frage stellten.
Wie die tibetische Schriftstellerin Woeser berichtet, gingen in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember über dreitausend chinesische Studenten einer Ingenieurschule in Chengdu auf tibetische Studenten los, brachen in deren Schlafsäle und Klassenzimmer ein und verprügelten sie.
Die chinesischen Studenten, die Türen, Fenster und Möbel zerschlugen, hielten über 200 tibetische Studenten als Geiseln fest. "Die chinesischen Studenten schrien: "Verprügele einen Tibeter, und Du kriegst ein Extralob"", schrieb Woeser in ihrem Blog.
Netzbürger stellten Photos ins Internet, die zerbrochene Pulte und Stühle in den Klassenzimmern zeigen, woraufhin die Behörden die Website der Schule sperrten.
"Du solltest gesehen haben, wie sie uns Tibeter in ihren Internet-Postings kränkten", erklärte ein tibetischer Student RFA. Die Behörden spielten Berichte über den Gewaltausbruch herunter. Es habe sich nur um ein "kleineres Gerangel" gehandelt.
Wie es heißt, trugen zahlreiche tibetische Studenten so schwere Verletzungen davon, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten.
Nachdem es der Schulleitung nicht gelungen war, den Zusammenstoß zu beenden, mußte die Polizei gerufen werden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Über eintausend paramilitärische Kräfte rückten an und setzten Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Auch mehrere Polizei- und Schulfahrzeuge wurden beschädigt.
Woeser schreibt auf ihrem Blog, daß am folgenden Tag, dem 15. Dezember, als die tibetischen Studenten zum Mittagessen in die Mensa gekommen waren, die chinesischen Studenten bei ihrem Anblick frohlockt und gerufen hätten: "Wir Han-Chinesen haben ein Sieg über die stolzen Tibeter errungen".
"Die Tibeter ärgerten uns schon so lange, die Feindschaft sitzt tief und ist schon alt", sagte ein Han-Student am Donnerstag. "Letzte Nacht verdroschen wir sie, das war ein großer Sieg für uns". "Wir zeigten ihnen, daß wir keine Leute sind, die man so einfach übergehen kann".
Ein tibetischer Student sagte, er wünsche sich, daß die Behörden den Vorfall auf faire Weise untersuchten. "Wenn sie unsere Sicherheit nicht garantieren können, was für einen Sinn hat es dann, auf diese Schule zu gehen", fügte ein anderer tibetischer Student hinzu. "Es wäre besser für uns, einfach zu Hause zu bleiben und das Vieh zu hüten. Dann wären wir wenigstens sicher".
Bezüglich der staatlichen Fördermittel für ethnische Minderheiten sagte Woeser RFA: "Die Han Studenten meinen, ihre Klagen seien berechtigt. Aber die Minderheiten-Studenten sind der Ansicht, daß sie ein Anrecht auf eine bevorzugte Behandlung haben".
"Sie fühlen, daß die Ausbildung, die sie nun erhalten, einer Sinisierung gleichkommt, weil sie in eine Schule in einer ihnen fremden Region gehen müssen. Sie befinden sich im Nachteil, weil sie ihre Muttersprache aufgeben und die der Han-Leute lernen müssen".
Sie fügte hinzu, einige glaubten, die Programme zur Präferenzbehandlung der Minderheiten, die China nach den ethnischen Unruhen in Xinjiang vom Juli 2009 einführte, seien unfair.
"Ethnische Minderheiten sind zwar vorzugsberechtigt, aber nicht in nennenswertem Umfang; wenn man das ganze Bild betrachtet, dann wird schnell klar, daß sie recht rauh behandelt werden. Sie sehen sich vielen Einschränkungen und der Brutalität der Polizei gegenüber".
Die Nachricht über den Zwischenfall erschien in ein paar lokalen Nachrichtenportalen, aber wurde ganz schnell wieder daraus entfernt.
Quelle: Phayul, www.phayul.com, Radio Free Asia, www.rfa.org
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