Die neue Arbeitswelt verlangt nach Menschen mit Selbstorganisation
Von Gunnar Sohn
Edinburgh/Frankfurt am Main, www.ne-na.de - Die Ignoranz des führenden Managements gegenüber Themen der Informationstechnik (IT) werde sich rächen. Zu dieser provokativen These gelangt nach einem FAZ-Bericht Forrester-Chef George F. Colony http://www.forrester.com: „Der Marktforscher ist sich sicher, dass sowohl Großunternehmen als auch öffentliche Institutionen gleichermaßen immer mehr an Macht und Einfluss in ihren jeweiligen Märkten verlieren werden - wenn sie es nicht verstünden, sich technologischen Entwicklungen zu öffnen“, so die FAZ.
Der Grund liege im sich wandelnden Kundenverhalten: Durch Internetgemeinschaften und Angebote der neuen Internetgeneration Web 2.0 informierten sich Kunden viel schneller über neue Produkte, tauschten sich über Meinungsforen aus und nutzten verschiedene Kommunikationsformen über das Internet. Marketing und Produktentwicklung nach traditionellem Verständnis könnten da kaum mehr mithalten: „Der CEO muss in Zukunft neben den klassischen Management-Themen wie Organisations-, Prozess-, Personalmanagement oder Strategie auch wissen, welche Technologien es gibt und was sie für sein Unternehmen und seine Geschäftsstrategie bedeuten", so Colony gegenüber der FAZ. Informationstechnologie (IT) sei nicht mehr nur ein hilfreiches Werkzeug, sondern entscheidender Erfolgsfaktor von Unternehmen.
„Sehr überraschend ist die Analyse von Colony nicht. Das Vordringen der IT in alle Lebensbereiche verändert Unternehmen und ganze Volkswirtschaften. Im Verbund mit der Breitbandtechnik erweist sich die IT als ein großer Gleichmacher mit phantastischen Möglichkeiten. An kleinen Firmen wie Skype oder an großen Betriebsorganisationen mit einer mittelständischen Unternehmenskultur wie Google kann man das gut beobachten“, weiß Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de. Selbst der kleinste Betrieb könne sich mittlerweile Kunden rund um den Globus suchen. „Seine Lieferanten kommen nicht nur aus dem Umkreis des örtlichen Kirchturms, sondern von überall. Auf der Kundenseite hat sich die Reichweite genauso verändert. Man bestellt seine Digitalkamera bei einem Onlinehändler in den USA oder von einem E-Bay-Anbieter direkt in der Nachbarschaft. Die Individualisierung des Lebens und die neue Unberechenbarkeit wirtschaftlicher Prozesse können Unternehmen, Gewerkschaften und Politiker nicht zurückdrehen oder mit Konzepten aus dem guten alten Industriezeitalter aufhalten“, mahnt Müller, der als Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) aktiv ist.
Ähnlich sieht es Wolf Lotter vom Wirtschaftsmagazin brand eins http://www.brandeins.de: „Es gibt keine Dauerhaftigkeit und damit auch nichts, was sich zu verteidigen lohnt. Unternehmen und Organisationen, die Veränderung nicht zulassen, haben aufgehört, Unternehmen zu sein. Sie sind zur Bürokratie geworden. Der Zweck der Bürokratie ist der Erhalt der eigenen Struktur“. Die Industrien seien nicht mehr der Motor des Wohlstands. Die moderne und durch IT getriebene Arbeitswelt wird nicht mehr, wie in der Industriegesellschaft, durch schiere Nachfrage bestimmt, sonder durch Angebote, also durch permanent Erneuerung und Innovation. Die neue Arbeitswelt verlange nach Menschen mit Selbstorganisation – nach Unternehmern. Wer das ernst nehme, müsse vieles hinter sich lassen. „Sitzungs- und Zeitpläne, Rituale und Hierarchien, Mehrheitsmeinungen und Hausordnungen – schlussendlich alles, was den Laden der Gehemmten so zusammenhält.
Forrester-Chef Colony fordert ein neues Rollenverständnis in der Wirtschaft. Die IT würde sich sehr schnell und nach eigenen Gesetzen entwickeln. In Amerika sei man hier schon weiter als in Europa. Anstatt vor der IT die Augen zu verschließen, hätten die amerikanischen Vorstandskollegen sie schon vielfach in ihre Management-Tätigkeit integriert. Weitere Beiträge zum Thema Informationstechnik finden Sie in der Onlineausgabe des Magazins NeueNachricht http://www.ne-na.de.
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