Experten fordern einheitliche Plattform für alle Mobilfunkkunden
Unterschiedliche Standards nervtötend für Verbraucher
Von Gunnar Sohn
Köln – Das mobile Bezahlen, neudeutsch auch M-Payment genannt, hat nach Analysen von Branchenexperten wieder Aussichten, sich in Deutschland auch außerhalb digitaler Güter wie Klingeltöne, Musik oder Spiele zu etablieren und sich zu einem echten alternativen Zahlungsweg, wie etwa die EC-Karte, zu entwickeln. Dabei könnte ein millionenschwerer Markt wachsen. Anders als die Entwicklung in europäischen Ländern wie Österreich und Norwegen oder vielen Gebieten in Asien verläuft die Einführung hierzulande aufgrund verschiedener Hemmnisse sehr zögerlich. Somit ist es fraglich, wann sich die Bezahlung nicht-digitaler Inhalte mit mobilen Endgeräten in unserem Alltagsleben etabliert haben wird. Das sind wesentliche Kernaussagen der Langzeitstudie "Bezahl's doch mobil", die der eco Verband der deutschen Internetwirtschaft http://www.eco.de und die VIVAI AG http://www.vivai.de vorgelegt hat.
„Mobile Zahlungsverfahren sind grundsätzlich attraktiv und kommen bei den Leuten an. Das haben auch repräsentative Umfragen der Initiative MobilMedia des Bundeswirtschaftsministeriums sehr eindringlich gezeigt. Die Ursachen hierfür liegen eher auf der Anbieterseite als bei den Konsumenten. Somit stellt sich nicht die Frage, ob M-Payment kommt, sondern wann", berichtet Bettina Horster, Vorstand der VIVAI AG und Leiterin des AK M-Commerce bei eco. Hoffnung bereite allerdings eine Initiative von O2 und Vodafone, die im Frühjahr unter der Marke "mpass" ein neues Bezahlsystem für den Einkauf im Internet starten. Es soll für größtmögliche Zahlungssicherheit für mehr als 70 Millionen Bank- und Mobilfunkkunden in Deutschland sorgen. „Es wäre zu begrüßen, wenn nun auch T-Mobile und E-Plus nachziehen würden, damit es in Deutschland endlich eine einheitliche mobile Bezahlplattform gibt“, fordert Harald Summa, Geschäftsführer von eco. Die Verbreitung von mobilen Bezahlsystemen hängt nach Auffassung von acoreus-Vorstandschef Omar Khorshed http://www.acoreus.de stark von den Angeboten der Netzbetreiber und der Unabhängigkeit von Plattformen für Service und Abrechnung ab. „Neue mobile Bezahlwege setzen sich erst dann durch, wenn sie einen hohen Komfort in der Nutzung für den Endkunden mit günstigen Konditionen für Anbieter verknüpfen", sagt Khorshed.
Die Mobilfunkbetreiber könnten nach Ansicht von eco die Entwicklung der mobilen Bezahldienste entscheidend vorantreiben, schließlich verfügten sie über die notwendige Marketing-Stärke und sehr enge Kundenbeziehungen. In die Pflicht nimmt der Verband auch die Banken, da die Bürger allen Krisen zum Trotz großes Vertrauen in die etablierten Kreditinstitute hätten, selbst wenn es sich nicht um die Hausbank handelt. Eine Standardisierung, wie von acoreus gefordert, sei unabdingbar. Die Attraktivität neuer Zahlungsmethoden sei sehr gering, wenn der Nutzer beispielsweise beim so genannten Handy-Parken bei jeder Transaktion etwas anderes tun muss und Haptik und Oberfläche immer wieder wechseln. Außerdem müsste es eine ausreichende Anzahl von Akzeptanzstellen geben, die die tägliche Verwendbarkeit ermöglichen.
„Wenn der Kunde nur alle paar Wochen die Möglichkeit hat, mit dem Handy zu bezahlen, wird sich kein Gewöhnungseffekt einstellen", so Horster. Ebenfalls kontraproduktiv wirke bei den derzeit existierenden Insellösungen, dass sich der Anwender stets aufs Neue registrieren muss, ein Vorgang, der schon im Internet so manchem Verbraucher den letzten Nerv tötet. Mobilfunkbetreiber, Kreditinstitute und Nutzer sollten gemeinsam an Lösungsmodellen arbeiten. Dann könnten mobile Bezahldienste in Zukunft die Lücke zwischen Bargeld- und Kreditkartenzahlungen schließen.
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